Am 15. August erschien ein viel beachtetes Interview mit der Bürgermeisterin der Stadt Pinneberg im Pinneberger Tageblatt. Frau Steinberg wird dort mit den Worten "Ich bezeichne Pinneberg gern als Fahrradstadt" zitiert. Angesichts des seit Jahren konstant schlechten Abschneidens der Stadt beim ADFC Fahrradklima-Tests ist das eine mutige Aussage, die auch auf Widerspruch stößt. Als Antwort auf kontroverse Leserbriefe hat sich nun auch unser stellvertretender Sprecher, Matthias Walenda zu Wort gemeldet. Sein Leserbrief erschien am 6. September im Pinneberger Tageblatt:

In dem Interview erklärte die Bürgermeisterin, dass sie Pinneberg gern als Fahrradstadt bezeichnet. Schauen wir auf Borken, eine Kreisstadt mit 40.000 Einwohnern im Westmünsterland. Dort beträgt der Radverkehrsanteil erstaunliche 30 Prozent, während er bei uns nur bei 15 Prozent liegt. Betrachten wir einige Unterschiede, wie sie sich im Fahrradklima-Test von 2020 zeigen. Zum Beispiel die Wegweisung, die 2020 in unserer Stadt noch kaum existent war. Radwegebreiten werden in Borken im ausreichenden Bereich gesehen, in Pinneberg bekommen sie – zu Recht – die Note 5,2. Noch gravierender differieren die Werte bei der Glätte der Radwegoberflächen sowie bei der Führung an Baustellen. Hier wird man in Pinneberg zu oft angewiesen, vom Rad zu steigen.

Das winterliche Räumen der Radwege empfinden Pinneberger als unzureichend, in Borken funktioniert das deutlich besser! Auch die Abstimmung der Ampeln auf Radfahrende wird in Pinneberg als mangelhaft erlebt. Generell werden bei Umbauten im Straßenbereich die Belange von Radfahrern zu wenig berücksichtigt. Die Chance, dass Kreuzungen nach einem Umbau den aktuell gültigen Anforderungen entsprechen, liegt bei etwa 50 Prozent. Einzelne neue Radwege wurden sogar untermaßig gebaut – zulasten der Sicherheit!

Offensichtlich hat Borken Kommunalpolitiker, die das Radfahren seit Jahrzehnten fördern, und zwar tatsächlich mit einer absoluten Mehrheit der CDU! Da Borken weniger ÖPNV-Anteil besitzt, würden die Straßen überquellen, wenn die vielen Radfahrer Auto fahren würden. In Pinneberg erlebe ich das anders. Was macht eine Fahrradstadt also aus? Es ist eine Stadt, in der Politik und Verwaltung kontinuierlich das Radfahren unterstützen, in der die Qualität und Quantität an Fahrradinfrastruktur gut ist und gepflegt wird. Das führt dann dazu, dass viele Leute mit dem Rad fahren. Immerhin sind die Velorouten jetzt ausgeschildert. Ja, Pinneberg hat das Potenzial zur Fahrradstadt, aber da ist noch viel Luft nach oben.

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